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Historisches Hospital
Historisches Hospital © tic / Giulia Gambetta

Historisches Hospital

Die alten Gebäude aus rotem und gelbem Klinker verkörpern die Geschichte des alten Arbeiterbezirks Prenzlauer Berg. Sie beherbergten in früherer Zeit ein Hospital, ein Siechenhaus, ein Obdachlosenasyl, eine Kapelle und nach 1945 die Sowjetische Militärkommandantur. Heute befindet sich hier die Verwaltung des Bezirks Pankow von Berlin.

In den Gründerjahren nach 1870 wuchs die Berliner Bevölkerung stark an. Die Industrialisierung verschärfte die sozialen Probleme. Massenarmut, Mangelkrankheiten und Obdachlosigkeit mussten bewältigt werden. So wurden ab 1886 an der Prenzlauer Allee in der Nähe der IV. Berliner Gasanstalt (heute Gelände des Ernst-Thälmann-Parks) zeitgleich ein Hospital und Siechenhaus sowie ein Obdachlosenasyl errichtet. Die Architekten des Gebäudekomplexes waren Stadtbaurat Hermann Blankenstein und Vinzent Dylewski.
Das Städtische Friedrich-Wilhelm-Hospital mit 500 Plätzen und das Siechenhaus mit 1000 Pflegeplätzen (heutiges Haus 3) waren nach den damals modernsten Standards des Gesundheitswesens errichtet worden. In der Kapelle an der Prenzlauer Allee bahrte man die Verstorbenen auf. 1934 wurden Hospital und Siechenhaus an den Stadtrand nach Berlin-Buch verlegt. 1934 zog das Bezirksamt Prenzlauer Berg in Haus 3. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 wurde das Gelände des Bezirksamtes von der Roten Armee requiriert. In die Kapelle zog die sowjetische Militärkommandantur (SMAD) für den Stadtbezirk Prenzlauer Berg. Im Keller des Hauses 3 inhaftierte und verhörte der sowjetische Geheimdienst Menschen, denen vorgeworfen wurde, ehemalige NS-Funktionsträger bzw. Gegner der sowjetischen Besatzungsmacht zu sein. Von dort wurden viele Häftlinge in Straflager gebracht. 1950 übergab die SMAD einen Teil der Gebäude an die Berliner Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS). Der Keller des Hauses 3 wurde mindestens bis 1956 als Haftstätte genutzt. Durch eine Mauer abgetrennte andere Teile des Gebäudekomplexes übernahm der Rat des Stadtbezirks Prenzlauer Berg. Nach dem Auszug des MfS nutzte der Rat ab 1986 das gesamte Gelände. In Haus 9 zog die SED-Kreisleitung Prenzlauer Berg. Nach dem Ende des SED-Regimes 1989/90 befand sich hier das erste Arbeitsamt im Prenzlauer Berg. Seit 2001 gehören die Gebäude zum Bezirksamt Pankow.

Das Städtische Obdach an der Fröbelstraße/Ecke Diesterwegstraße diente der befristeten Unterkunft Armer und Obdachloser. Es hieß im Volksmund „Palme“, weil an seinem Eingang eine Kübelpalme stand. Im Verwaltungsgebäude konnten Familien unterkommen, Alleinstehende wurden in den dahinter liegenden 40 Schlafsälen untergebracht. Ein Saal hatte bis zu 70 Plätze, die oft überbelegt waren. Die ankommenden Obdachlosen wurden zuerst registriert und desinfiziert, danach bekamen sie eine Suppe mit Brot und eine Pritsche. Bis um sechs Uhr morgens musste der Schlafplatz wieder geräumt sein. Die Nazis schlossen nach 1933 das Obdachlosenasyl und richteten hier ein Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter ein. Seit 1940 ist das Gebäude ein Krankenhaus, das 2019 geschlossen und einer Umnutzung zugeführt werden soll.

© Ulrich Werner Grimm, Aktualisierung: Stefanie Gronau