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Ludwig-Jahn-Sportpark Luftbild
© Apercu Verlag

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Im Volksmund hieß er „Exer“. Seit 1825 wurde der Platz von der preußischen Armee als Exerzierplatz für ein Garde-Regiment genutzt. Sein Wahrzeichen war die „Einsame Pappel“.

An der weit vor dem Schönhauser Stadttor stehenden Schwarzpappel fand am 26. März 1848 die erste Volksversammlung der aufständischen Berliner während der Revolution von 1848 statt. Bis zu 20 000 Menschen forderten von Friedrich Wilhelm IV. (1765-1861; 1840 bis 1857 König von Preußen) das allgemeine Wahlrecht, den 12-Stunden-Tag, Mindestlöhne und staatliche Volkserziehung statt privater oder konfessioneller Schulen. Die „Einsame Pappel“ an der Topsstraße wurde 1968 gefällt. An ihrer Stelle steht heute, von Zitterpappeln umgeben, ein in einer Baumschule in Dresden großgezogener Ableger der alten Schwarzpappel. Ende des 19. Jahrhunderts gab die Armee den inzwischen mit Wohnhäusern umbauten „Exer“ als Übungsplatz auf. Der Platz wurde von Sportlern genutzt, so auch bis 1904 als erste Spielstätte von Hertha BSC. Der Berliner Fußballklub war 1892 in einem Lokal in der nahe gelegenen Zionskirchstraße als „Hertha 92“ gegründet worden. Heute ist Hertha BSC am Olympiastadion in Berlin-Charlottenburg zu Hause. 1912 kaufte die Stadt Berlin den größten Teil des Geländes und ließ ihn 1913 zu einer Spiel- und Sportanlage umgestalten. Anlässlich der Weltjugendfestspiele 1951 wurde die Anlage zum „Berliner Sportpark“ ausgebaut. Auf 22 Hektar entstanden ein Fußball- und Leichtathletik-Stadion mit 20.000 Sitzplätzen und mehrere Spiel-, Trainings- und Wettkampfstätten. 1952 benannte der Ost-Berliner Magistrat den Sportpark nach dem als Turnvater bekannt gewordenen Pädagogen Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Im Sportpark fanden bedeutende Sportereignisse statt. Die Max-Schmeling-Halle auf der Nordseite des Sportparks wurde im Rahmen der Berliner Olympiabewerbung für das Jahr 2000 errichtet. Die Mehrzweckhalle ist nach Box-Idol Max Schmeling (1905-2005) benannt, der als erster Europäer 1930 Weltmeister im Schwergewicht wurde.
 
Im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark fanden so bedeutende Sportereignisse statt wie die Friedensfahrt der Straßenradrennsportler, Spiele der DDR-Fußball-Nationalmannschaft oder 1963 bis 1991 der „Olympische Tag der Leichtathletik“. Insgesamt 18 Leichtathletik-Weltrekorde wurden in diesem Stadion erzielt. Die DDR-Fußballmeister ASK (später FC) Vorwärts Berlin und BFC Dynamo hatten im Sportpark ihre Spielstätte. 2015 fand das Finale der UEFA Women’s Champions League hier statt und 2018 die Para Leichtathletik-EM.
 

© Ulrich Werner Grimm, Aktualisierung: Stefanie Gronau